Ein langer Weg voller Überraschungen

Wil–St. Gallen // 32 km // 8h // 500Hm

Schon lange stand diese Strecke auf meiner To-do-Liste – und endlich passt alles zusammen: Zeit und perfektes Wetter.

Um halb acht trete ich hinaus in die frische Morgenluft. Der Himmel ist noch leicht bewölkt, doch der Blick in die Berge verspricht nur Gutes.

Der Weg führt mich zunächst durch einen noch lichten Wald, bis ich schon bald die Thurau erreiche. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht. An der Raststätte Thurau vorbei geht es in Richtung Züberwangen, über die Thur und auf einem leichten Anstieg nach Uzwil.

Unterhalb des Stolzenbergs taucht bald Wilen-Watt vor mir auf – und mit ihm viele Jugenderinnerungen. Wer erinnert sich noch an die «Linde»?

Doch wie es beim Wandern so ist: Die gewonnenen Höhenmeter muss ich auf dem Weg nach Niederglatt hinunter wieder hergeben. Und hier wartet eine echte Überraschung auf mich. Ich traue meinen Augen kaum: Eine ehemalige Schulfreundin aus der Primarschule reitet mir plötzlich entgegen. Dass sie in Wilen-Watt lebt, wusste ich – aber dass wir uns genau hier, genau heute begegnen? Unglaublich. Nach einem kurzen Gespräch und der Freude, dass wir uns nach vielen Jahren unerwartet treffen, setze ich meinen Weg in Richtung St. Gallen fort.

Hinter dem Dorfkern von Niederglatt durchquere ich ein Naherholungsgebiet, von dem ich bisher nichts wusste – und das, obwohl ich früher viele Nachmittage und Wochenenden in diesem idyllischen Dorf verbracht habe. Man lernt nie aus.

Auch der Brunner Hof in Glattburg (Niederwil) ist für mich Neuland. Hier wird «Tschelatti» im grossen Stil produziert und eine Event-Scheune betrieben. Alles wirkt gepflegt und wird mit viel Liebe zum Detail geführt.

Auf meinem Weg komme ich an fünf tiefergelegte Hühnerställen des Bio Hofs Mädertal vorbei – wieder so ein Moment, in dem ich denke: Was es nicht alles gibt!

Kurz vor Gossau erblicke ich das Restaurant Freihof. Es gibt kein Halten mehr. Hunger und Durst lassen mich vom Weg abbringen; direkt in Richtung Kulinarik.

Frisch gestärkt geht es weiter in Richtung St. Gallen Winkeln. Die frühlingshafte Natur begleitet mich, auch wenn sich mittlerweile ein leichtes Ziehen in den Waden bemerkbar macht. Bald erreiche ich das Industriegebiet von Winkeln und überquere die SBB-Sitterbrücke. Mit ihren 63 Metern Höhe und 190 Metern Länge ist sie beeindruckend – Hier noch eine Randnotiz: dieser Brücke wurde während 2 Jahren Bauzeit eine Verbreiterung verpasst, welche die beiden Stadtteile für Fussgänger und Velofahrer verbindet.

Am Bahnhof St. Gallen Bruggen nehme ich Irene in Empfang, die mich auf den letzten Kilometern begleitet. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Unser Ziel: die Chocolaterie Kölbener beim Kloster St. Gallen. Dort gönnen wir uns eine heisse Schokolade und einen Kaffee – die perfekte Belohnung nach dieser langen Strecke.

Was für eine Erfahrung. So lange bin ich selten am Stück gelaufen. Jetzt spüre ich meine Waden deutlich – und hoffe, dass sie sich bis morgen wieder erholen.